Die Mistel ist eine merkwürdige Mitbewohnerin


Mistel trinkt aus dem Glas von einem Mann. Cartoon Oliver Kock Greenfluencer


Im Winter, wenn die meisten Laubbäume "oben ohne" sind, geben sie den Blick frei auf eine ganz besondere Mitbewohnerin: die kugelförmige, immergrüne Mistel.

 

Du kennst sie vielleicht aus den Asterix-Comics. Der Druide Miraculix benötigt sie als wichtige Zutat für seinen berühmten Zaubertrank. Misteln wachsen auf Laubbäumen ebenso wie auf Nadelbäumen. Dort leben sie hoch oben im Geäst als Halbschmarotzer. Dank ihrer grünen Blätter können sie zwar selbst Photosynthese betreiben und Zucker herstellen, Mineralien und Wasser stibitzen sie aber von "ihrem Baum", indem sie dessen Leitungsbahnen anbohren.

 

Aber wie kommt die Mistel überhaupt so hoch auf den Baum? Klettern kann sie nicht, schließlich ist sie keine Kletterpflanze. Ganz einfach: Sie reist per Vogel! Misteln besitzen kleine, weiße und vor allem sehr klebrige Beeren. Diese lassen sich Vögel wie Misteldrossel oder Seidenschwanz gern schmecken. Und säubern nach der Mahlzeit mit Vorliebe ihren klebrigen Schnabel an den Ästen der Bäume. 

 

Auch mit dem Kot der Vögel landen die Mistelsamen mit ein bisschen Glück auf einem Ast und bleiben dort kleben. Nachdem der Samen ausgetrieben ist, bildet sich eine Haftscheibe am Ast und der Sproß bohrt sich durch die Rinde in die Leitungsbahnen des Baums.

 

Ganz ungefährlich ist das für den Wirtsbaum nicht. Ist der Mistelbefall extrem, kann der Baum erheblich geschwächt werden. Daher ist die Mistel besonders bei Obstbäumen auf Streuobstwiesen ein Problem.

 

Ganz anders sieht das Image der Mistel beim Weihnachtsfest aus. In vielen Häusern, vor allem in Großbritannien und den USA, wird traditionell zur Weihnachtszeit ein Mistelzweig als Symbol für Glück, Liebe und Fruchtbarkeit oberhalb des Türrahmens angebracht.

 

Steht ein Paar unter dem Mistelzweig, darf es sich, ob verheiratet oder nicht, küssen. Früher eine große Sache. Und so wurde ein Halbschmarotzer zum Beziehungsturbo - eine erstaunliche Karriere!

 

Text und Illustration: Oliver Kock

 


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